Berlin – Eindrücke aus der Hauptstadt Teil 6: Denkmal für die ermordeten Juden Europas

DSCN8622

Ich habe aufgrund der Schwere des Themas lange überlegt, ob ich diesen Post überhaupt schreiben soll, mich aber letztlich dafür entschieden.

Während meiner Zeit in Berlin war ich natürlich auch am Denkmal für die ermordeten Juden Europas und möchte ein paar Gedanken dazu mit euch teilen.

ERSTENS

Ich habe kein Verständnis dafür, wenn Leute auf den Stelen sitzen und für Selfies posen. Es fällt mir ohnehin oft schwer, wenn schöne Landschaften oder Bauten nur als Kulisse der Selbstinszenierung zu dienen scheinen. In diesem Fall ist das aber noch extremer: Kann man nicht einmal angesichts solch unfassbar schrecklicher Geschehnisse wie im Holocaust darauf verzichten, sich selbst zum Mittelpunkt zu machen? Und nein, auch fröhlich-lärmendes Fangenspielen zwischen den Stelen finde ich nicht angemessen, auch wenn ich dieses noch eher als intuitiven Versuch auffassen kann, dem bedrückenden Gefühl zu entkommen, das sich beim Begehen des Denkmals einstellen könnte.

ZWEITENS

Anscheinend wird öfter kritisiert, dass das Denkmal keinen unmittelbar erkennbaren Bezug zum Holocaust habe. Zwar ist es ohne Erläuterung tatsächlich nicht verständlich, sondern eben nur eine Anhäufung von Betonbrocken, aber mal ehrlich – wer kommt denn an dieses Denkmal und hat wirklich weder eine Ahnung noch die Möglichkeit die erklärende Tafel zu lesen?

DRITTENS

Die Nazi-Vergleiche sind aktuell in aller Munde. Und ja: So etwas wie damals im 3. Reich darf nie nie nie wieder passieren!!!

Aber dennoch oder gerade deswegen finde ich es höchst unangebracht, wenn jegliche Kritik an aktuellen Entwicklungen mit der Zuschreibung „Nazi“ oder mindestens mit „du bist ja voll rechts“ mundtot gemacht wird. Das spielt zum einen die furchtbaren Taten der echten Nazis herunter und führt zum anderen dazu, dass keine konstruktive Diskussion zustande kommen kann.

Denn in meinen Augen kann sich Geschichte nicht nur thematisch wiederholen, also im Sinne von „Deutschland könnte wieder rechtsradikal werden“, sondern auch strukturell im Sinne von „Deutschland könnte eine heraufziehende Gefahr übersehen und nicht rechtzeitig gegensteuern.“

Wie ich das meine?

Wir bieten als wohlhabendes und als humanitären Grundsätzen verpflichtetes Land einer wachsenden Anzahl von Menschen aus anderen Kulturen Asyl. Wie gehen wir mit dieser Entwicklung um? Wie kann Integration gelingen?

In meinen Augen werden zur Zeit sehr viele und zum Teil sehr fragwürdige Zugeständnisse gemacht, wie etwa das Urteil einer Richterin im Fall einer Vergewaltigung: Der Mann mit Migrationshintergrund wurde freigesprochen mit der Begründung, er habe vielleicht aufgrund seiner Kultur die Vergewaltigung nicht von wildem Sex unterscheiden können. (siehe zum Beispiel hier mit Link zur Originalquelle)

Im Klartext heißt das: Wer sich auf eine andere Kultur beruft, darf in Deutschland Dinge tun, die mit dem deutschen Recht nicht vereinbar sind. ?!

Das ist für mich absolut keine Entwicklung, die ich gutheißen kann – und nebenbei auch ein Schlag in die Fresse all der Zugewanderten/Geflüchteten, die mit guten Absichen hier in Frieden leben wollen! Denn gerade wer wirklich vor Terror, Unrecht und Gewalt geflohen ist, bekommt ein ungutes Gefühl, wenn auch das vermeintlich sichere und schutzbietende Land nicht in der Lage ist, dem Terror, dem Unrecht und der Gewalt deutliche Grenzen zu setzen!

Ich habe ein Beispiel gewählt, das noch recht aktuell ist und mich als Frau sehr bedrückt hat. Es gibt aber noch zahlreiche andere Beispiele, bei denen man sich fragen kann, wohin diese Entwicklung führen soll

Etwa

  • „No go areas“ in deutschen Städten – wenn wir jetzt schon nichts gegen die dort machthabenden ausländischen Clans tun können/wollen, was wollen wir dann in 20 Jahren dagegen tun, wenn sie sich weiter ausgebreitet haben?
  • Wieviel Angst und Schrecken und wie viele Tote wollen wir in den kommenden Jahren in Kauf nehmen, wenn es jetzt schon heißt, wir müssten uns an den Terror gewöhnen?! Nein, ich will mich nicht an den Terror gewöhnen! Dass es keine absolute Sicherheit geben kann, ist klar. Aber muss das im Umkehrschluss wirklich heißen, dass wir mit Terroranschlägen umgehen müssen wie mit einem schweren Sturm, der nun mal passieren kann? Ich hoffe nicht!

Und einiges mehr ließe sich hier anführen – das Thema lässt sich natürlich niemals in wenigen Sätzen erschöpfend und differenziert genug behandeln.

VIERTENS

Eine Bekannte von mir meinte im Voraus, wenn man durch die Stelen ginge, hätte man zunächst noch gut den Überblick und könnte sich gar nicht vorstellen, dass es plötzlich unüberschaubar werden würde, und genau dieses Erlebnis bilde ab, wie sich das Unheil damals ausbreitete. Ich dachte noch: „Na toll, jetzt bin ich vorgewarnt und weiß, was mich erwartet, dann funkioniert es doch nicht mehr!“ – Doch. Es funktioniert! Im einen Moment überblickt man noch den ganzen Platz und im nächsten ist man verschwindend klein zwischen den bedrohlich aufragenden, massiven Betonklötzen. Bedrückend!

DSCN3032

Der einzelne Mensch erscheint winzig und machtlos angesichts der Entwicklungen…

Falls jemand bis hierher gekommen ist – vielen Dank für’s Lesen! Ich weiß, es war heute textlastig und schwer.

Im nächsten Beitrag geht es wie gewohnt weiter mit leichteren Texten und Themen.

Advertisements

4 Gedanken zu “Berlin – Eindrücke aus der Hauptstadt Teil 6: Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s