„Ich habe ein Recht auf Tester!“…

Was mir bei Drogeriemarktbesuchen immer wieder die Laune verdirbt, sind die Leute, die völlig ungeniert Originalware aufreißen und testen.

Bei Kajal-oder Lippenstiften sieht man Benutzungsspuren sofort und ich kann sicherheitshalber prüfen, ob mein Produkt auch wirklich noch neu ist, wenn ich es kaufe. Die Stifte, die schon jemand ausprobiert hat, sind dann aber zum Verkauf unbrauchbar geworden. Zitat einer Verkäuferin im Müller: „Sie glauben nicht, was wir hier jeden Tag aussortieren müssen!“

Noch unangenehmer ist es bei Nagellacken oder Wimperntuschen: Hier kann ich nämlich gar nicht erkennen, ob die Ware, die ich kaufen möchte, schon von jemandem getestet wurde. Wimperntuschen kaufe ich deshalb nur noch eingeschweißt. Auch wenn mich das zusätzliche Plastik stört, möchte ich sicher gehen, dass ich nicht ein Bürstchen an meine Augen bringe, an dem noch Bakterien von XY hängen.

Bei Nagellack gilt leider: Volles Risiko. Wie eine dm-Verkäuferin neulich einer Kundin erläuterte: „Wenn da jeder schon mal testet, fehlt doch einiges an Produkt, wenn das Fläschchen dann gekauft wird!“ – Das überzeugte die Kundin jedoch mitnichten. Sie hielt der Verkäuferin von oben herab einen Vortrag darüber, dass SIE sich ja in der Kosmetikbranche auskenne und die Verkäuferin nicht (!) und dass es ihr gutes Recht sei (!) alles zu öffnen, wofür kein Tester bereit stünde.

Ich stand zufällig in der Nähe und traute meinen Ohren kaum. Ja, ich mag Tester auch! Aber das heißt doch nicht, dass ich deswegen einen Anspruch darauf habe.

Woher nehmen Leute diese Überzeugung?! Dieses „mir steht alles zu, ob das für andere doof ist, interessiert mich nicht!“ ?

Ich kann da wirklich schwer aus meiner Haut und finde so ein Verhalten einfach ätzend. Automatisch frage ich mich dann, was das sonst für Menschen sind. Wer schon bei solchen Kleinigkeiten derart egoistisch handelt, wird vermutlich auch sonst kein Mensch sein, der nach einem sonderlich sozialverträglichen Motto lebt, oder doch? Vielleicht vertue ich mich ja in meiner Einschätzung?!

In besagtem dm, wo ich das „nette“ Gespräch zwischen Verkäuferin und Kundin mitbekommen habe, hingen jedenfalls seit Monaten schon Schilder, auf denen in etwa stand: „Verehrte Kunden, wir bitten Sie höflichst, keine Originalware zu öffnen.“ Inzwischen steht dort, einen Tick entschiedener, aber immer noch höflich: „Bitte verwenden Sie Tester! Bitte lassen Sie die Originalware geschlossen!“

Ich phantasiere rum: Wäre das meine Drogeriekette…Ich würde Leuten, die sich dieser Anweisung widersetzen, das angebrochene Produkt einfach in Rechnung stellen…Aber ob das praktikabel wäre, steht auf einem anderen Blatt…

Und wie ging die Geschichte in echt aus? Die Filialchefin erlaubte der Kundin schließlich, jeden beliebigen Lack zu testen und fiel damit auch noch der jungen Verkäuferin in den Rücken. Hm.

Wie steht Ihr dazu? Dürfen Beauty-Produkte ausgiebig getestet werden, auch die Originalware, oder nervt es Euch wie mich, wenn Ihr ständig auf der Hut sein müsst, um keine bereits angebrochenen und angegrabbelten Sachen zu kaufen?

 

 

 

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11 Gedanken zu “„Ich habe ein Recht auf Tester!“…

  1. Ohja, mich nervt es total, wenn ich nach ungeöffneten Produkten suchen muss. Ich finde es unmöglich, dass es Menschen gibt, die einfach Produkte öffnen. Ich kann es ja verstehen, dass man nicht immer die Katze im Sack kaufen möchte, aber dann kann man einfach mal einen Verkäufer fragen, ob es möglich ist, eins der Produkte zum Tester zu machen. Man geht ja auch nicht in den Supermarkt und probiert alles, bevor man es kauft! Und ich hassehassehasse es, wenn Leute die Mitarbeiter von oben herab behandeln. Das ist ein Job, wie jeder andere auch. Ich selber habe oft neben meinem Studium an Supermarktkassen und auch im Kosmetikgeschäft gearbeitet und musste sowas so oft anhören 😡 Hui, das musste raus, da hast du einenPunkt bei mir getroffen 😤😅

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    • Vielen Dank für Deinen Kommentar, ich bin froh, dass nicht nur ich das so sehe! Der Vergleich mit dem Supermarkt ist sehr treffend (da beißt man doch auch nicht jede Apfelsorte mal an…). Und ja, Menschen, die andere von oben herab behandeln, kann ich auch kaum ertragen, egal wo und warum. Wahrscheinlich hat mich diese Situation auch deshalb so ganz besonders genervt!
      Wie hast Du auf sowas in Deinem Job reagiert? Ohren zu und durch? Man darf ja vermutlich nicht mal was erwidern, sonst kriegt man auch noch vom Chef eins auf den Deckel. :-/
      Liebe Grüße,
      Ellen

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      • Im Kosmetikgeschäft musste ich immer freundlich bleiben. Im Supermarkt galt das gleiche. Ich bin immer sachlich geblieben, der Kunde ist König und meistens haben solche dreisten Leute das bekommen, was sie wollten. Ich fand es im Kosmetikgeschäft auch immer herrlich, wenn die werte Dame hereim kam, etwas suchte und „HALLOOO?!“ rief. Nicht als Begrüßung. Übersetzt hieß das: „Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir…“

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      • Dieses „Der Kunde ist König“ kann wirklich extreme Formen annehmen und ist dann nur eine Variante von „Dreistigkeit siegt“. Auch Königen stünde manchmal ein bisschen Höflichkeit gut… und gerade die Damen, die sich so verhalten, wie Du beschreibst, sind doch auch gerne mal die, die sich empört über „die Jugend von heute“ auslassen…

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  2. Oah ja, ich hasse das auch, wenn der letzte Nicht-Tester-Lippenstifter schon angeschmackt ist. Bah. WI-DER-LICH!
    Bei Deos/Wimperntuschen/Nagellacken fische ich meistens nach einem Exemplar von gaaaanz weit hinten in der Reihe, da habe ich (zumindest gefühlt) die sichere Variante. Bei Nagellacken ist es mit Testern in der Tat schwierig…aber ich frage mich eh, wozu man da groß einen Tester braucht? Ob einem die Farbe steht/gefällt oder nicht, kann man auch durch das Fläschchen feststellen. Und wenn man sich ob der Deckkraft unsicher ist, so kann man den Lack ja öffnen und am Flaschenhals innen abstreifen, dann sieht man – finde ich – sehr gut, wie stark/wenig stark der Lack pigmentiert ist. Da muss man doch nicht auf den eigenen Patscherchen rumschmieren, oder?

    Und die Art und Weise der Kundin geht sowieso auf keine Kuhhaut….wobei sich viele Kunden/Kundinnen oft mal daneben benehmen…vorgestern im dm zum Beispiel hat jemand das Toilettenpapier auf der Kundentoilette aufgebraucht, aber den Verkäuferinnen keinen Piep gesagt. Und als ich dann die Toilette benutzen wollte durfte ich erstmal dem Toilettenpapier nachjagen…na, danke auch. Soviel Zeit und Anstand muss doch drin sein, oder nicht?

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  3. Danke für Deinen Kommentar! Ja, bei Deos mache ich das auch meistens so, dass ich eins von ganz hinten nehme. 😉
    Und Dein Erlebnis mit dem fehlenden Klopier (wie nervig!) ist ein weiteres Beispiel dafür, dass da jemand nur an sich gedacht hat, nicht daran, was sein Verhalten für andere bedeutet. Ich finde auch, soviel Zeit und Anstand könnte man schon erwarten!

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  4. Hallo Ellen,
    du hast vorhin auf meinem Blog meinen Drogerie-Knigge kommentiert (https://lieselotteloves.wordpress.com/2016/08/22/kolumne-6-der-drogeriemarkt-knigge/), da dachte ich, ich lese mal deinen Beitrag zum Thema 🙂
    Und du hast absolut Recht. Zu 100%. Ich finde aber nicht nur schlimm, dass die Kundin die Verkäuferin doof behandelt hat und sie die Produkte einfach so getestet hat, sondern auch, dass die Filialleiterin der Kundin auch noch Recht gegeben hat bzw. nachgegeben hat, das geht gar nicht. Ich habe das aber bei dm auch schon mitbekommen: Ein paar junge Mädels wurden von einer Verkäuferin recht energisch darauf hingewiesen, dass diese nicht einfach jedes Produkt öffnen und testen dürften, und zwei Regale weiter war eine ältere Dame, die eine Verkäuferin um Hilfe bei der Wahl eines Lippenstiftes bat, und diese Verkäuferin öffnete dann selbst Originalware, um sie der Frau zu zeigen und sie die Sachen ausprobieren zu lassen. Sehr, sehr seltsam. Und solange die Drogeriemärkte da nicht einheitlicher vorgehen, wird sich das Verhalten der Kunden nicht bessern – und du hast ja gelesen, wie mich das Thema ärgert und aufregt. Neulich wieder eine Handcreme gekauft, daheim geöffnet, der gaaaaanze Deckel innen verschmiert und angetrocknet. Und das Produkt selbst war vollkommen in Ordnung, daran lag es also nicht – wurde also benutzt. Köstlich!
    Dass jemand Nagellack benutzt, habe ich aber noch nie gesehen. Aber neulich jemanden, der Eyeliner verwendete!!! Aaaaah! Igitt! Gebrauchter Eyeliner mit den Bakterien von wer-weiß-wievielen-Leuten – Hallo Augeninfektion.
    essence hat ja jetzt scheinbar angefangen, alle Produkte mit einer Art Tesafilm zu verschließen. Leider, leider nötig…

    Liebe Grüße und danke für den großartigen Beitrag,
    Lieselotte von http://www.lieselotteloves.wordpress.com

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    • Hallo Lieselotte,
      vielen lieben Dank, dass Du bei mir vorbeigeschaut hast und für Deinen langen Kommentar!
      Ja, dass die Drogerien das so uneinheitlich handhaben, sogar in ein und derselben Filiale, macht es nicht besser. :-/ Ich hoffe, dass allmählich ankommt, wie unfair es gegenüber ehrlichen Kunden ist, die ein unbenutztes Produkt erwerben wollen. Sowas wie Eyeliner oder Wimperntusche ist gebraucht wirklich ekelhaft und nicht ungefährlich wie Du mit dem Verweis auf die Augeninfektion zurecht bemerkst!
      Dass Firmen jedes Produkt extra zukleben müssen, ist wohl tatsächlich nötig, wenn so viele Leute sich nicht benehmen können. 😦
      Liebe Grüße zurück,
      Ellen

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